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Anne Hertz ist das Pseudonym der Autorinnen Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz aus Hamburg, die nicht nur gemeinsam schreiben, sondern als Schwestern auch einen Großteil ihres Lebens miteinander verbringen.

Bevor Anne Hertz 2006 in Hamburg zur Welt kam, wurde sie 1969 und 1972 in Düsseldorf geboren.


Fünfzig Prozent von ihr studierten Jura, während die andere Hälfte sich der
Anglistik widmete.

Anschließend arbeiteten 100 Prozent
als Journalistin.

Anne Hertz hat im Schnitt 1,5 Kinder
und mindestens 0,5 Männer.

Sie lebt in einem großen Haus mit allen Menschen, die ihr wichtig sind.

 
Frauke und Wiebke
     
 
 

 

 

 
 

Frauke und Wiebke - back in 1974


Ich bin zwei Annes!“

Im Januar 2006 fing alles an: Da erschien mit „Glückskekse“ der erste Roman von Anne Hertz – und wurde auf Anhieb ein riesiger Erfolg.

Nach „Wunderkerzen“ folgte das Buch „Sternschnuppen“, das sofort den Sprung auf die Bestsellerliste schaffte. Mit „Trostpflaster“ erscheint nun der mittlerweile vierte Roman von Anne Hertz.

Genau der richtige Zeitpunkt, um ein Geheimnis zu lüften: Anne Hertz – hinter diesem Pseudonym verbergen sich in Wahrheit zwei Autorinnen:

Die Hamburger Schwestern Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die miteinander schreiben und leben.
Und manchmal auch miteinander streiten ...

 

 

 

Bisher hat niemand gewusst, dass Anne Hertz aus zwei Personen besteht. Warum nicht?
Frauke Scheunemann: Anne Hertz war von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt, da lag ein gemeinsamer Name nahe. Anne Hertz ist sozusagen unser „Bandname“.
Wiebke Lorenz: Außerdem haben wir, ehrlich gesagt, nie gedacht, dass die Romane so erfolgreich werden würden und es dann tatsächlich jemand wissen will. Mit so großem Interesse haben wir nicht gerechnet, also hielten wir es auch nicht für nötig, zu erklären, dass wir eigentlich zu zweit und noch dazu Schwestern sind.

Und jetzt ist es nötig?
Wiebke: Nötig vielleicht nicht. Aber wenn immer häufiger Anfragen für Interviews kommen oder uns mehr und mehr Leser schreiben, weil sie von Anne Hertz etwas wissen wollen – da kommt es einem irgendwann blöd vor, so zu tun, als wäre man nur eine Person.
Frauke: Es ist außerdem für Lesungen praktischer, denn jetzt können wir da zu zweit auftauchen und auch sagen, dass wir beide Anne Hertz sind. Das macht natürlich viel mehr Spaß. Zusätzlich können wir uns abwechseln, wenn eine von uns mal keine Zeit hat.

Wie sind Sie denn überhaupt auf die Idee gekommen, zusammen Bücher zu schreiben?
Frauke: Wir haben schon immer eine Menge miteinander gemacht, wir sind da ziemlich symbiotisch, genau genommen beste Freundinnen. Geschrieben haben wir beide ebenfalls gern, wir haben auch beide eine journalistische Ausbildung. Irgendwann kam meine Schwester dann mit der Idee für „Glückskekse“ um die Ecke und meinte: He, sollen wir das nicht mal zusammen probieren?

Und wie lief das dann ab, das gemeinsame Arbeiten?
Wiebke: Zuerst haben wir aus der Grundidee die gesamte Geschichte entwickelt, sie auf ca. 15 Seiten zu Papier gebracht und das Ganze dann in Kapitel unterteilt. Beim ersten Roman war es noch so, dass wir aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben haben, aus der männlichen und aus der weiblichen. Tja, meine Schwester war dann die eine, ich die andere Figur. Erst beim zweiten Roman sind wir dazu übergegangen, nur noch aus einer Perspektive zu schreiben.

Aber wie funktioniert das genau mit dem Schreiben? Fängt eine von Ihnen an, dann übernimmt die andere? Oder schreiben Sie beide gleichzeitig?
Frauke: Als erstes „plotten“ wir den Roman immer von Anfang bis zum Ende gemeinsam durch, das heißt, die Geschichte steht in ihren Grundzügen fest, bevor wir anfangen. Dadurch können wir tatsächlich gleichzeitig arbeiten. Wir teilen uns die Kapitel untereinander auf, so dass jede von uns weiß, was sie zu schreiben hat. Da wir zusammen in einem Haus wohnen, sitzen wir dann beide an unseren Schreibtischen und am Ende eines Arbeitstages schicken wir uns gegenseitig das neu Geschriebene zu und tauschen uns darüber aus.

Ist Ihr Schreibstil denn so ähnlich, dass das klappt?
Wiebke: Wir kommen ja aus dem gleichen „Stall“ und haben daher eine ähnliche Sprache. Aber natürlich gehen wir beide wieder und wieder über den Text drüber, bis er wirklich „aus einem Guss“ ist. Tatsächlich glaube ich auch, dass ich das nur in dieser Konstellation kann, weil wir uns so nah sind. Mit einer anderen Autorin würde das so nicht funktionieren.

Und wenn es um die Handlung geht – sind Sie da immer einer Meinung?
Frauke: Nein, ganz und gar nicht! Da tragen wir manchmal schon regelrechte Grabenkämpfe aus. Von unserem Grundwesen her wir beide sehr verschieden, auch, was unsere persönliche Biographie betrifft. Ich bin zum Beispiel verheiratet und Mutter von drei Töchtern, meine Schwester ist Single. Da ist es ja klar, dass unsere Lebensumstände bei aller Verbundenheit vollkommen anders sind. Aber genau das scheint unseren Lesern zu gefallen, denn in unsere Hauptfigur fließen immer die Erfahrungen von zwei Frauen ein.
Wiebke: Und so können wir uns prima ergänzen: Ich bin zum Beispiel eindeutig die Kitschtante …
Frauke: Und ich die Realistin. Das passt doch.

Inwiefern?
Frauke: Meine Schwester muss meistens ran, wenn es um die Romantik geht. Das kann sie einfach besser als ich, mir persönlich würden sich bei manchen Szenen die Fußnägel hochbiegen.
Wiebke: Och, mittlerweile kannst du aber auch ganz schön herzergreifend schreiben. Da höre ich regelrecht die Geigen im Hintergrund …

Wissen Sie am Ende, wenn das Buch fertig ist, denn immer noch, wer von Ihnen was geschrieben hat?
Frauke: Ehrlich gesagt: Nicht immer. Klingt verrückt, aber wir können beide oft nicht mehr sagen, wer von uns was geschrieben hat. Das liegt daran, dass wir den Text so häufig bearbeiten und uns gegenseitig redigieren.
Wiebke: Unser Lektor versucht auch hin und wieder, einen Tipp abzugeben. Dann sagt er „Ha! Das hast bestimmt du geschrieben! Und das hier deine Schwester.“ Manchmal liegt er richtig. Manchmal nicht. Und oft wissen wir es halt nicht mehr.
Frauke: Deshalb können wir dann doch guten Gewissens sagen: Jede für sich genommen ist eine von zwei Schwestern – aber zusammen sind wir eben Anne Hertz. Also am Ende schon irgendwie eine einzige Person.

Sie sind Schwestern, Sie arbeiten zusammen, Sie wohnen in einem Haus – Hand aufs Herz: Denkt man da nicht doch manchmal über einen Meuchelmord oder ein spontanes Durchbrennen auf eine einsame Insel nach?
Frauke und Wiebke: Ja, absolut!
Wiebke: Aber das wäre doch wirklich schade …
Frauke: … um die Anne!

 

© Droemer Knaur